Titelblatt des Entwurfs zum dritten Bewirtschaftungsplan NRW

Bewirtschaftungsplan - Maßnahmenprogramm

Entwurf des Dritten Bewirtschaftungsplans

Die Bezirksregierung koordiniert die Beiträge der regionalen Wasserbehörden für den dritten Bewirtschaftungsplan zur europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Der Entwurf ist jetzt veröffentlicht und im Beteiligungsverfahren. Hier finden Sie einen Überblick.

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) ist die oberste Wasserbehörde in Nordrhein-Westfalen. Sie erarbeitet für die nordrhein-westfälischen Anteile der Flussgebietseinheiten Rhein, Weser, Ems und Maas Beiträge zu den Maßnahmenprogrammen und Bewirtschaftungsplänen. In Ostwestfalen-Lippe koordiniert die Bezirksregierung dafür die Beiträge der regionalen Wasserbehörden.

Grundlage für die Aufstellung der Pläne und Programme ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL). Die ersten Maßnahmenprogramme und Bewirtschaftungspläne mussten bis zum 22. Dezember 2009 aufgestellt werden. Sie waren bis zum 22. Dezember 2015 gültig und werden anschließend alle sechs Jahre überprüft und aktualisiert.

Der Entwurf des dritten Bewirtschaftungsplans und des Maßnahmenprogramms für die Gewässer in Nordrhein-Westfalen wurde am 22.12.2020 veröffentlicht. Er fasst die Grundlagen für die Bewirtschaftungsplanung der Oberflächengewässer und Grundwasservorräte in NRW zusammen. Ziel ist es, den Zustand der Gewässer im Sinne der EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) weiter zu verbessern. Mit dem Maßnahmenprogramm werden die wasserwirtschaftlich relevanten Aufgaben für die Bewirtschaftung der Gewässer und ihrer Einzugsgebiete für weitere sechs Jahre (2022-2027) festgelegt. Die Bewirtschaftungsplanung konzentriert sich in der Darstellung bei den Fließgewässern auf Flüsse und Bäche mit einem Einzugsgebiet von mindestens 10 Quadratkilometern Größe. Diese bilden als Oberflächenwasserkörper (OFWK) mit den Nebengewässern in ihrem Einzugsgebiet die kleinste Einheit, für die der Bewirtschaftungsplan und das Maßnahmenprogramm aufgestellt werden.
Mit der Veröffentlichung der Entwürfe der Bewirtschaftungspläne und der zugehörigen Maßnahmenprogramme wurde in Nordrhein-Westfalen auch das Beteiligungsverfahren eröffnet.

Diese Internetseite soll auch über aktuelle Änderungen informieren. Hinweise auf Aktualisierungen finden Sie jeweils an dieser Stelle:

01.03.2021 Internetseite mit ergänzenden Informationen zum dritten Bewirtschaftungsplan in Ostwestfalen-Lippe veröffentlicht

 

Beteiligung der Öffentlichkeit: Nehmen Sie Stellung!

Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Behörden und Maßnahmenträger, Betriebe, Vereine, Initiativen und Verbände - Alle, die vom Bewirtschaftungsplan betroffen sind oder wasserwirtschaftliche Interessen haben, können zum aktuellen Entwurf Stellung nehmen. Die Entwürfe der Bewirtschaftungspläne sind im Internet einzusehen.
Stellungnahmen können unter dem Portal „Beteiligung online“ abgegeben werden. Die Beteiligung ist bis sechs Monate nach der Veröffentlichung des Entwurfs, also bis zum 22. Juni 2021, möglich.
Auf Flussgebiete NRW hat das MULNV Erläuterungen zu weiteren Möglichkeiten der Stellungnahme und Bedienungshinweise zu „Beteiligung online“ bereitgestellt.

 

Die Situation im Regierungsbezirk Detmold

Der Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe – OWL) ist ländlich geprägt. Fast zwei Drittel der Flächen sind Ackerflächen oder Grünland, ein Fünftel ist von Wald bedeckt. Etwa ein Zehntel der Fläche nehmen Siedlungsgebiete ein – hier ist ein Großteil des Bodens versiegelt. Kennzeichen der regionalen Wirtschaft sind ein breiter Branchenmix mit Schwerpunkt im verarbeitenden Gewerbe. Schwerindustrie ist in OWL wenig anzutreffen.
OWL wird überwiegend durch die Weser im Osten und die Ems im Westen Richtung Nordsee entwässert. In der Senne entspringt mit der Lippe auch das längste Gewässer Nordrhein-Westfalens, die im Südwesten bei Paderborn zum Rhein abfließt. OWL ist damit die einzige Region in NRW, die Anteile an gleich drei großen Flussgebietseinheiten hat (Weser, Ems und Rhein).
Fast die Hälfte der Gewässer sind durch den Menschen so stark beeinflusst, dass sie mit dem WRRL-Fachbegriff „erheblich verändert“ bezeichnet werden.

Belastungen der Gewässer

Die Hauptursache für die Belastungen liegt im Ausbau der Gewässer im vergangenen Jahrhundert. Der Ausbau in der Region orientierte sich wesentlich an den Bedürfnissen der Landwirtschaft. Durch den Ausbau wurden die Flächenentwässerung, die Bewässerung im Sommer durch Anstauen, aber auch der Hochwasserschutz sichergestellt. Die Gewässer wurden vertieft und begradigt, Durchgängigkeitshindernisse beeinträchtigen die Fischpopulationen und andere Gewässerorganismen.
Die Kläranlagen zur Behandlung des kommunalen Abwassers sind in OWL weitestgehend auf einem technisch aktuellen Stand. Eine Verbesserung der Stickstoff- und Phosphorelimination ist nur in wenigen Fällen noch durch Erweiterung oder Ausbau, sondern überwiegend durch Betriebsoptimierung der behandlungsanlagen und Kanalnetze möglich. Zunehmende Bedeutung gewinnt die Behandlung von Niederschlagswasser. Metalle und andere Schadstoffe aus verschiedenen Bereichen können über abfließendes Regenwasser in die Gewässer gelangen. Ein großer Teil kommt von Straßen, aber neben anderen auch Metalldächer, Fassadenanstriche und industriell genutzte Flächen können Metalleinträge verursachen.
Das Grundwasser in Ostwestfalen-Lippe wird durch die landwirtschafte Nutzung belastet. Durch zu hohe Stickstoff-Einträge aus der Düngung kommt es in einigen Gebieten zu Überschreitungen der Qualitätsnormen von Nitrat und Ammonium. Ebenfalls gelangen Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser oder es sind Versauerungstendenzen erkennbar.

Der Weg zu den Programmmaßnahmen

Um die gesetzlichen Ziele der Gewässerbewirtschaftung zu erreichen, sind in Ostwestfalen-Lippe noch umfangreiche Maßnahmen erforderlich. Sie orientieren sich an der Situation im Einzugsgebiet und an den maßgeblichen Belastungen, die auf das Gewässer wirken. Belastungen können stofflicher Art sein, etwa durch Einleitungen aus Siedlungsgebieten, Ablauf von Straßen und Oberflächen oder durch Einträge von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Stoffe können auch „diffus“ in die Oberflächengewässer und in das Grundwasser gelangen, indem sie von Flächen abgeschwemmt werden oder ins Grundwasser einsickern.

Belastungen bei Oberflächengewässern können auch „morphologisch“ sein – durch Eingriffe in die Gewässerstruktur zur Begradigung oder durch Laufverlegung von Fließgewässern ist die natürliche, vielfältige Struktur verlorengegangen und bietet keine Raum mehr für eine intakte Lebensgemeinschaft. Die gewässertypischen Auen sind entscheidende Elemente für die Funktion eines Gewässers als Lebensraum, gingen aber durch menschliche Eingriffe weitgehend verloren.

Verschiedene dieser „Treiber“ (Driver) führen zu Belastungen (Pressures), die auf den Zustand (State) eines Gewässers und seiner Lebensgemeinschaft einwirken (Impact) und eine zielgerichtete Antwort (Response) erfordern. Nach den englischen Anfangsbuchstaben dieser Faktoren bezeichnet man das als DPSIR-Ansatz.

Diese Antworten bilden auf Ebene der Bewirtschaftungsplanung typischerweise die Programmmaßnahmen. Sie beschreiben auf Ebene eines gesamten Wasserkörpers den grundsätzlichen Handlungsbedarf bei der Bewirtschaftung und bilden den Rahmen für einzelne konkrete Umsetzungsmaßnahmen vor Ort. 

Oberflächengewässer in OWL

Die Haupt-Belastungsbereiche in den Oberflächengewässern in OWL sind kommunale Punktquellen, Landwirtschaft, Hydromorphologie und Durchgängigkeit. Die Regeln zur Auswahl der Programmmaßnahmen im Regierungsbezirk Detmold haben wir hier kurz zusammengefasst.

  • Maßnahmenprogramm Detmold für Oberflächenwasserkörper - pdf 683 KB (nicht barrierefrei)

Grundwasser in OWL

Die Maßnahmenplanung erfolgt auf Grundlage der Bewertung der Grundwasserkörper in der Risikoabschätzung (Bestandsaufnahme) und der Zustandsbewertung. Die landesweit gültige Vorgehensweise zur Bewertung ist im Monitoring-Leitfaden zusammengestellt.

Weitere Informationen zum Maßnahmenprogramm für die Grundwasserkörper im Regierungsbezirk Detmold haben wir hier zusammengestellt:

  • Maßnahmenprogramm Detmold für Grundwasserkörper - pdf 1,6 MB (nicht barrierefrei)
Daten zu Oberflächenwasserkörpern und regionale Maßnahmenblätter

Die Auswahl von Programmmaßnahmen beruht auf einer Vielzahl von Daten zu einem Gewässer und zu seiner Umgebung. Sie stammen aus verschiedenen fachlichen Quellen. Um die vielfältigen Daten und die Besonderheiten der Gewässer „auf einen Blick“ handhabbar zu machen, haben wir für jeden Oberflächenwasserkörper ein Datenblatt zusammengestellt. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Situation im Einzugsgebiet, die Zustandsbewertung des Gewässers aus dem Monitoring und schließlich den daraus abgeleiteten Vorschlag für die erforderlichen Programmmaßnahmen. Die Datenblätter zeigen die Inhalte der Planungseinheitensteckbriefe aus dem Entwurf des dritten Bewirtschaftungsplans in zusammengefasster Form mit einigen Ergänzungen.

Daten und Bewertungen werden auch auf ELWAS-WEB eingestellt, dort sind über die Kartenanwendung auch detaillierte Strukturgütedaten verfügbar.

Beispiel:

Diemel - Oberflächenwasserkörper-ID

 

Die Datenblätter wurden jeweils für den Zuständigkeitsbereich der unteren Wasserbehörden in OWL erzeugt:

  • Stadt Bielefeld - pdf 8,5 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Gütersloh - pdf 14,9 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Herford - pdf 11,1 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Höxter - pdf 17,1 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Lippe - pdf 16,8 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Minden-Lübbecke - pdf 17,4 MB (nicht barrierefrei)
  • Kreis Paderborn - pdf 14,5 MB (nicht barrierefrei)

Auf der ersten Seite jedes Dokuments finden Sie eine Legende, in der die Angaben in den Datenblättern erklärt werden. Sie finden dort auch Links zu Hintergrundinformationen.
Darauf folgt eine Übersichtskarte, in der die Gewässer und ihre Einzugsgebiete eingezeichnet sind. Mit einem Klick auf die Beschriftung der Einzugsgebiete (ID des jeweiligen Wasserkörpers, z. B. DE_NRW_2784_0) in der Karte gelangen Sie zu dem Datenblatt für den Oberflächenwasserkörper.
Alternativ können Sie auch im Navigationsbereich der PDF-Datei den Gewässernamen suchen oder sich einfach durch die Datenblätter scrollen, bis Sie den gesuchten Oberflächenwasserkörper gefunden haben.

 

 

Informationen zur Bewirtschaftungsplanung in Nordrhein-Westfalen

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) stellt umfassende fachliche Informationen zur Umsetzung der EG-WRRL in Nordrhein-Westfalen auf Flussgebiete NRW bereit.

Dort können Sie die vollständigen Entwürfe des Bewirtschaftungsplans 2022 – 2027 für Nordrhein-Westfalen herunterladen (Bewirtschaftungsplan, Maßnahmenprogramm, Steckbriefe der Planungseinheiten und Hintergrunddokumente).

Über ELWAS-WEB können Sie Fachdaten zur WRRL, zu weiteren Fragen der Wasserwirtschaft und zu fachlich verbundenen Themen auswählen und online als Karte darstellen.

Nitratbelastete Gebiete: Erläuterungen zur Ausweisung der Flächen finden Sie hier auf der Webseite des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur – und Verbraucherschutz. Für Fragen dazu ist die Landwirtschaftskammer NRW zuständig. Dort wurde eine eigene Auskunftsstelle eingerichtet: gebietsausweisung [at] lwk.nrw.de.

Weitere Informationen und Links zur Wasserwirtschaft finden Sie auf der Webseite des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordthein-Westfalen (LANUV) als Landesoberbehörde.

Ergänzende Erläuterungen zu den jeweiligen regionalen Entwurfsbeiträgen zum Bewirtschaftungsplan und Maßnahmenprogramm erhalten Sie auf den Internetseiten der Bezirksregierungen

Weiterführende Informationen und Links

Der Regierungsbezirk Detmold hat Anteile an drei großen Flussgebieten. Länderübergreifend stimmen die Flussgebietsgemeinschaften (FGG) die Bewirtschaftungsplanung ab:

Die Umweltministerien des Bundes und der Länder koordinieren ihre wasserwirtschaftlichen Aktivitäten über die LAWA:

  • LAWA - Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
  • Wasser-DE – Zentraler Informationsknoten Wasserwirtschaft Deutschland (Hg.: LAWA)

Informationen zur Gewässerbewirtschaftung bei Bundesbehörden:

  • WasserBLIcK – WRRL bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde
  • Umweltbundesamt (UBA) – Informationen zur WRRL
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN) – WRRL und Naturschutz 
  • Blaues Band –Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ist Maßnahmenträger für die Anteile an Bundeswasserstraßen (Kanäle und Weser) im Regierungsbezirk Detmold
Kontakt – Fragen zum dritten Bewirtschaftungsplan?

Haben Sie Fragen zum Entwurf des dritten Bewirtschaftungsplans in Ostwestfalen-Lippe?

Wenden Sie sich per E-Mail an die WRRL-Geschäftsstelle OWL.

 

Haben Sie Fragen zu nitratbelasteten Gebieten (Gebietsausweisung nach § 13a Düngeverordnung – DüV)?

Für diese Frage ist die Landwirtschaftskammer NRW zuständig. Dort wurde eine eigene Auskunftsstelle eingerichtet: gebietsausweisung [at] lwk.nrw.de.

 

Wollen Sie zum Entwurf des dritten Bewirtschaftungsplans eine Stellungnahme abgeben?

Für Stellungnahmen steht das Portal „Beteiligung online“ zur Verfügung.

Auf Flussgebiete NRW hat das MULNV Erläuterungen zu weiteren Möglichkeiten der Stellungnahme und Bedienungshinweise zu „Beteiligung online“ bereitgestellt.