Ein Wolf

Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge

Das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat im Juni des Jahres 2021 das ursprünglich 2018 ausgewiesene "Wolfsgebiet Senne" nach Süden zum "Wolfsgebiet Senne-Eggegebirge" erweitert. Anhand genetischer Analysen konnte im Bereich des Eggegebirges mehrfach ein weiblicher Wolf nachgewiesen werden.

Durch die Ausweisung des Wolfsgebietes und der dazugehörigen Pufferzone als Förderkulisse können Nutztierhalter in diesem Bereich Förderungen zum Herdenschutz beantragen.

Das Wolfsgebiet "Senne-Eggegebirge" ist 1.677 Quadratkilometer groß und umfasst:

  • Kreis Gütersloh
    Stadt Schloß Holte-Stukenbrock
  • Kreis Lippe
    Städte Detmold, Horn-Bad Meinberg, Lage und Oerlinghausen, Gemeinden Augustdorf und Schlangen
  • Kreis Paderborn
    Städte Bad Lippspringe, Paderborn und Lichtenau, Gemeinden Altenbeken, Hövelhof sowie Borchen
  • Kreis Höxter
    Stadt Bad Driburg sowie Teile der Städte Steinheim, Nieheim, Brakel, Willebadessen und Warburg
  • Stadt Bielefeld
    Teil südwestlich der A 2 / B 66

Die umliegende Pufferzone um das Wolfsgebiet umfasst auf einer Fläche von 2.827 Quadratkilometern den Großteil der kreisfreien Stadt Bielefeld, den östlichen Bereich des Kreises Gütersloh, den Nordosten des Kreises Lippe, die gesamten Kreise Paderborn und Höxter sowie die Stadt Marsburg im Hochsauerlandkreis. Eine Karte des Wolfsgebietes Senne-Eggegebirge mit der Pufferzone finden sie hier.

Anträge auf Förderung von Herdenschutzmaßnahmen im Fall des Wolfsgebietes Senne-Eggegebirge und der dazugehörigen Pufferzone sowie auf Entschädigung der durch einen Wolf verursachten Schäden im gesamten Regierungsbezirk können bei der Bezirksregierung Detmold als zuständige Bewilligungsbehörde (Dezernat 51) gestellt werden. Tierhalter, deren bewirtschaftete Flächen im Gebiet der Stadt Marsburg liegen, können Ihren Antrag bei der Bezirksregierung Arnsberg stellen.

Weitere Informationen zu den Themen Wolf und Wolfsgebiet Senne finden sie auf der Internetseite des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW).

Welche Rechtsgrundlage besteht?

Mit den Förderrichtlinien Wolf hat Nordrhein-Westfalen die Grundlage für einen finanziellen Ausgleich der durch den Wolf bedingten wirtschaftlichen Belastungen für Tierhalter geschaffen. Die Richtlinien regeln die Entschädigung von Tierverlusten und weiteren damit verbundenen Schäden. Darüber hinaus ist auch die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen vorgesehen. Die Förderung wird natürlichen und juristischen Personen des Privatrechts sowie Personengesellschaften mit landwirtschaftlichem Haupterwerb oder Nebenerwerb gewährt.

Präventionsmaßnahmen

Im Rahmen der Zuwendung werden in einem Wolfsgebiet sowie der dazugehörigen Pufferzone Investitionen in vorbeugende Herdenschutzmaßnahmen (Präventionsmaßnahmen), wie zum Beispiel das Errichten eines Elektoschutzzaunes, zum Schutz von Schafen, Ziegen und Gehegewild gefördert.
Dies beinhaltet 100 Prozent der Kosten für die Optimierungen und Neuanschaffungen von Schutzzäunen nebst Zubehör zur Erreichung des wolfsabweisenden Grundschutzes sowie die Anschaffung und Ausbildung von geeigneten Herdenschutzhunden. Die Bagatellgrenze für die Förderung von Präventionsmaßnahmen beträgt 200,00 Euro Zuwendung.

Der Antrag auf Übernahme der Kosten ist vor Beginn der Präventionsmaßnahme, das heißt vor Ausschreibung und vor Auftragserteilung, zu stellen. Folgende Antragsunterlagen sind hierfür bei der höheren Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Detmold einzureichen:

  • das ausgefüllte Antragsformular „Förderung Prävention“
  • eine detaillierte Auflistung der betroffenen Flurstücke und gegebenenfalls Kartenmaterial
  • eine genaue Auflistung der Kostenermittlung mit einem Kostenvoranschlag
  • ein Auszug aus der HIT-Datenbank über den aktuellen Tierbestand oder den entsprechenden Bescheid der Tierseuchenkasse 
  • gegebenenfalls die Bescheinigung des Finanzamtes über die Vorsteuerabzugsberechtigung
  • gegebenenfalls die Einverständniserklärung des Grundstückseigentümers

 

Herdenschutzberatung

Die Landwirtschaftskammer NRW bietet eine ausführliche Beratung zu den möglichen Herdenschutzmaßnahmen für alle Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter an. Tierhaltungen mit Schafen und Ziegen sowie Gehegewild, deren Weideflächen in ausgewiesenen Wolfsgebieten und den angrenzenden Pufferzonen liegen, können einen Antrag auf Förderung von Präventionsmaßnahmen stellen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich die fachliche Antragsprüfung sehr aufwändig gestaltet, da häufig Nachfragen zu den eingereichten Anträgen erforderlich sind.

Den Antragstellerinnen und Antragstellern wird daher dringend empfohlen, bereits im Vorfeld eines Förderantrags das kostenlose Beratungsangebot der Herdenschutzberatung der Landwirtschaftskammer zu nutzen. Mit dieser frühzeitigen Beratung lässt sich die Antragstellung und Antragsprüfung erleichtern und somit das Bewilligungsverfahren insgesamt beschleunigen und dürfte somit auch im Interesse der antragstellenden Weidetierhaltungen liegen. 

Kontakt zur Herdenschutzberatung: 
https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tierproduktion/herd…

 

Billigkeitsleistungen

Im Rahmen der sogenannten Billigkeitsleistung erfolgt eine Entschädigung der durch den Wolf direkt getöteten Nutz- und Haustiere (einschließlich der Jagd-, Herdenschutz- und Hütehunde) sowie der infolge eines Wolfsübergriffs später verendeten oder aus Tierschutzgründen getöteten Tiere sowie der Verluste durch Verwerfen (Auslösen einer Fehlgeburt). Es werden 100 Prozent des Betrages der amtlichen Wertermittlung, die über die Kreiszüchterzentrale Wesel erfolgt, erstattet.

Darüber hinaus werden auch Ausgaben für einen Tierarzt im Fall der Behandlung oder Einschläferung verletzter Tiere einschließlich der Kosten für Medikamente, die Ausgaben für die Tierkörperbeseitigung einschließlich der Transportkosten, Sachschäden an Zäunen und Schutzvorrichtungen, die durch den Wolfsübergriff entstanden sind, Gebühren für die amtliche Marktwertermittlung sowie Untersuchungskosten für tot aufgefundene Tiere entschädigt.

Der Antrag auf Billigkeitsleistung ist innerhalb von sechs Monaten nach Mitteilung der amtlichen Feststellung, die durch das LANUV erfolgt (ACHTUNG: Meldung des Vorfalls an das LANUV innerhalb von 24 Stunden ab Kenntnisnahme) zu stellen. Die amtliche Feststellung bestätigt, dass der Wolf eindeutig als Verursacher festgestellt wurde oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verursacher nicht ausgeschlossen werden kann.

Des Weiteren muss vor der Gewährung von Billigkeitsleistungen in der Kernzone ein wolfsabweisender Grundschutz für Schafe, Ziegen und Gehegewild bestehen. Dieser ist innerhalb einen halben Jahres nach Ausweisung bis zum 17.12.2021 umzusetzen.

Folgende Antragsunterlagen sind hierfür bei der höheren Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Detmold einzureichen:

  • das ausgefüllte Antragsformular „Entschädigungsleistung“
  • eine detaillierte Auflistung der betroffenen Flurstücke und gegebenenfalls Kartenmaterial
  • das Schreiben der Kreiszüchterzentrale Wesel über die amtliche Wertermittlung
  • das Schreiben des LANUV über die amtliche Feststellung
  • ein Auszug aus der HIT-Datenbank über den aktuellen Tierbestand oder den entsprechende Bescheid der Tierseuchenkasse
  • gegebenenfalls Belege und Rechnung über weitere entstandene Kosten (z. B. Tierarztrechnungen)
  • gegebenenfalls die Bescheinigung des Finanzamtes über die Vorsteuerabzugsberechtigung