30.11.2020

Lippe-Renaturierung macht Fortschritte

Detmold (30. November 2020). Die Renaturierung der Lippe bei Paderborn-Sande geht gut voran. Große Teile der neuen Lippeverläufe sind bereits profiliert. Erforderliche Bauwerke werden derzeit errichtet. Die Baumaßnahme im Auftrag der Bezirksregierung Detmold läuft seit etwa drei Monaten.

Durch die Renaturierung erhält die Lippe einen Teil ihrer früheren Flussaue zurück. Der begradigte und ausgebaute Verlauf wird verändert und durch große Flussschlingen deutlich verlängert. Mit Steinschüttungen befestigte Ufer werden entfesselt. Der Fluss kann sich danach wieder seitlich verlagern und eigendynamisch entwickeln.

Um das Baufeld vorzubereiten, wurden fast 20.000 Kubikmeter nährstoffreicher Oberboden aus dem Gebiet abgefahren. Der Oberboden wurde auf Ackerflächen in der nahen Umgebung aufgebracht.

Danach wurde eine breite und etwa einen Meter tiefe Aue im Gelände gestaltet, in der ein schmaleres Hauptgerinne der neuen Lippe profiliert wurde. Dieses Gerinne wurde nur grob gestaltet. Der Grund: Die Lippe wird sich später in den anstehenden Sanden und Kiesen ihr eigenes naturnahes Bett bereiten. Die Aue soll später von der Lippe regelmäßig und häufig überstaut werden.

Auch bei dieser Arbeit ist eine große Menge an Überschussboden angefallen. Etwa 55.000 Kubikmeter wurden nach Westen zur Abgrabung Heddinghauser See gefahren und dort an einem Uferabschnitt vorgeschüttet. Diese neu entstandene Landfläche soll für spätere Renaturierungsmaßnahmen genutzt werden.

Vergangenheit des Flusses tritt zutage

Bei den Profilierungsarbeiten wurde an vielen Stellen deutlich, wie stark die Lippe vor der Begradigung und dem Ausbau die gesamte Flussaue geprägt hatte. An zahlreichen Stellen zeichnen sich im Gelände alte Flussverläufe in Form von Mulden ab. Projektleiterin Anna Morsbach von der Bezirksregierung: „Teilweise liegen mehr als 20 Schichten aus Sand, Kies, Lehm und Ton übereinander und zeigen an, dass frühere Hochwässer Sedimente permanent umgelagert haben.“ Alte Baumstämme (Moorholz) und Torflinsen seien Jahrhunderte unter Sedimenten verschüttet gewesen. Jetzt trügen sie zur Reaktivierung der früheren Auenflächen bei, sagt Morsbach.

Der neue Flussverlauf ist angelegt, jetzt geht es weiter mit den Bauwerken: Am westlichen Ende des Baufeldes wurde die Sohlgleite errichtet. Sie hat eine zentrale Funktion, denn sie stellt die ungehinderte Verbindung der neuen Lippe und des unterhalb noch ausgebauten Flusses sicher. Sie wird erst in Betrieb genommen, wenn die Lippe in ihr neues Bett geleitet wird. Das wird voraussichtlich in einigen Wochen geschehen.

Sohlgleite gewährt Durchlass und bietet Ruhezonen

Die neue Sohlgleite dient dazu, die Höhendifferenz zur Bestandslippe am Ende der Renaturierung auszugleichen. Diese Höhendifferenz war wegen der Sohlanhebung der neuen Lippe entstanden. Zum Bau der Sohlgleite wurden hintereinander vier Riegel aus großen Steinblöcken gesetzt, die eine exakt berechnete Durchlassöffnung haben. Hinter diesen Riegeln schließt sich jeweils ein Becken an. Wandernde Fische und andere Organismen können aufgrund der gebremsten und wechselnden Strömungsgeschwindigkeiten dieses Bauwerk passieren. In den Becken finden auch kleinere Tierarten ruhige Bereiche zur Erholung.

Unterhalb der Bundesstraße 64 wird in Kürze ein weiteres Bauwerk begonnen. Hier sorgen Steinschüttungen und weitere Befestigungen dafür, dass bei Hochwasserabflüssen der Lippe und aus dem Lippesee ein sicherer und dauerhafter Übergang zu der anschließenden Renaturierung erreicht wird.

Internetseite informiert über Fortschritt

Während der Bauarbeiten dürfen Bürgerinnen und Bürger aus Sicherheitsgründen und Gründen des Arbeitsschutzes das Baufeld nicht betreten. Das Befahren der Lippe mit Kanus sowie das Angeln im Renaturierungsbereich sind lebensgefährlich und deshalb untersagt. Außerdem sind aufgrund der anhaltenden Pandemie keine Baustellenführungen möglich.

Informationen über den Projektfortgang gibt es aber jederzeit im Internet. Die Seite www.wilde-lippe.de hält viele Details und Bilder für interessierte Besucher bereit.

Hintergrund

Das Projekt zur Renaturierung der Lippe im Unterlauf der Lippeseeumflut war im August begonnen worden. Angesiedelt ist der 650 Meter lange Abschnitt unterhalb der Ortschaft Paderborn-Sande. Bauherrin ist die Bezirksregierung Detmold. Die Umgestaltung soll dem begradigten und mit Steinen befestigten Flusslauf neue Entwicklungsmöglichkeiten geben.

 

Fotounterzeile Bild Übersicht : 
Das Baufeld im Überblick: Dieser Renaturierungsbereich soll künftig eine naturnahe Entwicklung der Lippe ermöglichen und zahlreichen Pflanzen und Tieren wieder einen Lebensraum bieten. Rechts im Bild zu sehen ist die Bundesstraße 64, hinten links der Heddinghauser See.