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Pädagogische Grenzsituationen

Infobox

Pädagogische Grenzsituationen sind wahrscheinlich die im Schulalltag mit am schwierigsten zu meisternden Situationen, mit denen eine Lehrkraft konfrontiert werden kann. Das Ziel muss sein, Lehrerinnen und Lehrer handlungs- und rechtssicher für schwierige pädagogische Situationen zu machen. Den Handlungsrahmen gibt zum einen das Schulgesetz (SchulG NRW, § 53 Erzieherische Maßnahmen, Ordnungsmaßnahmen) sowie im besten Falle ein Erziehungs- und Handlungskonzept der jeweiligen Schule vor. Erziehungskonzept ist eine für alle an Schule Beteiligte transparente, möglichst eindeutig handlungsleitende, innerschulisch verhandelte und vereinbarte und damit verbindliche Rahmenvorgabe (vgl. Erziehungskonzept).
Allen Beteiligten muss klar sein, was in welchem Fall passiert. Läuft beispielsweise ein Grundschüler aus der Klasse und verlässt das Schulgelände, braucht die Schule und insbesondere die aufsichtsführende Lehrkraft einen abgesprochenen und für alle verbindlichen Fahrplan. Ein solcher Fahrplan wird auch als Krisenplan bezeichnet und sollte in ruhigen Zeiten unter Mitarbeit aller am Erziehungsprozess beteiligten Personen erarbeitet worden sein. Ein individueller Krisenplan, sowie ein Erziehungskonzept schaffen für die verantwortliche Lehrkraft in schwierigen Situationen Handlungssicherheit.
Und trotz Handlungssicherheit kommen Lehrerinnen und Lehrer bei der Umsetzung des Erziehungsauftrages immer wieder in schwierige Situationen. Entgegen allen sinnvollen pädagogischen Interventionen kann die Interaktion mit der Schülerin oder dem Schüler in eine verfahrene Situation geraten. Insbesondere im pädagogischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sieht sich die Lehrkraft häufig einer sehr großen Herausforderung gegenüber. Selbst nachvollziehbare pädagogische Interventionen können zu eskalierenden Situationen führen, so dass eine pädagogische Grenzsituation entsteht.

Ein Beispiel aus dem Alltag:

Ein Schüler macht permanent unangemessene Nebengeräusche.

Der Lehrer nimmt Blickkontakt auf.

Der Schüler hört nicht auf.

Der Lehrer gibt ein Zeichen.

Der Schüler hört nicht auf.

Der Lehrer spricht den Schüler an.

Der Schüler hört nicht auf.

Der Lehrer geht zu dem Schüler und spricht ihn an.

Der Schüler hört nicht auf.

Alle Interventionen der Lehrkraft haben zu keiner Verhaltensänderung bei dem Schüler geführt. Die Lehrerin oder der Lehrer hat die Möglichkeit weitere Handlungsschritte folgen zu lassen oder auf eine Verhaltensänderung vorerst zu verzichten. Die Gründe für das Verhalten des Schülers sind zunächst nicht offensichtlich und können sehr vielfältig sein. Auf jeden Fall lohnt es sich, für die Weiterarbeit mit diesem Kind, den Gründen nachzugehen und eine Konsequenz für das Verhalten folgen zu lassen. Auch wenn Sie die Situation nicht direkt lösen können, so können Sie eventuell zukünftige Situationen erheblich beeinflussen, wenn Sie eine Konsequenz (Reflexionsbogen, Nacharbeit, Wiedergutmachung, etc.) aussprechen. Denken Sie an die guten Schiedsrichter beim Fußball, die eine Spielsituation weiterlaufen lassen, bis sie abgeschlossen ist und erst anschließend eine gelbe Karte zeigen. Konsequenzen müssen auch nicht sofort ausgesprochen werden. Manchmal ist es sinnvoll sich Zeit zu verschaffen und sich noch mit anderen Kollegen abzusprechen. Holen Sie sich beispielsweise den Schüler nach Unterrichtsende zu einem Einzelgespräch und besprechen mit ihm sein Verhalten und ihr weiteres Vorgehen. Vielleicht erfahren Sie auch dort schon mehr über die Beweggründe des Schülers. In der Unterrichtssituation selbst, können Unsicherheiten die Interventionen der Lehrkraft maßgeblich beeinflussen. Darf ich den Schüler vor die Tür setzen? Was passiert, wenn er weiter verweigert? Darf ich den Schüler gegen seinen Willen nach draußen begleiten? Kann ich diese Situation noch meistern? Was darf ich rechtlich?

Antworten auf diese Fragen versucht die Handreichung der Bezirksregierung Detmold „Lehrerinnen und Lehrer in pädagogischen Grenzsituationen“ zu beantworten. Diese ist über die Homepage der Bezirksregierung Detmold als Download verfügbar.

https://www.bezreg-detmold.nrw.de/500_Service/011_Broschueren_bilder_pdf/broschueren/010paedagogischeGrsi.pdf  
Pädagogische Grenzsituationen zeichnen sich dadurch aus, dass die Interventionen der Lehrkraft keine Wirkung zeigen und der Ordnungsrahmen der Schule bzw. der Klasse erheblich gestört wird. Das Verhalten kann aber auch gegen andere Personen oder sich selbst gerichtet sein, so dass die Gefahr der Selbst- und Fremdgefährdung gegeben ist. Beispiele für Selbst- und Fremdgefährdung sind:

  • ein Kind schlägt mit seinem Kopf auf seinen Tisch
  • ein Kind kratzt sich blutig
  • ein Kind tritt, schlägt, würgt oder bespuckt andere Personen
  • ein Kind klettert wutentbrannt auf einen hohen Schulhofzaun

Solche Situationen können in der Regel nur noch durch die physische Einwirkung der Lehrkraft auf das Kind beendet werden. Doch müssen sich die Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Erziehungsarbeit gerade in Grenzsituationen immer den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vor Augen führen.

Auch für die physische Einwirkung gilt es, Handlungsvereinbarungen zu treffen, die für alle Personen (Schüler, Lehrer und Eltern) nachvollziehbar sind. Das Wichtigste bei der physischen Einwirkung ist immer die Würde des Kindes oder des Jugendlichen zu achten und es auf keinen Fall zu erniedrigen. Bei der physischen Einwirkung geht es um den Schutz des betroffenen Kindes selbst, sowie um den Schutz der anderen Kinder und Lehrerinnen und Lehrer. Sehr empfehlenswert ist an dieser Stelle die Auseinandersetzung mit dem Konzept PART (professionelles Handeln in Gewaltsituationen) http://www.parttraining.de/

Wenn Sie nachweislich in PART geschult sind und auch danach gehandelt haben, handeln Sie rechtssicher, da ihr Handeln nachvollziehbar wird und Sie sich nicht dem Vorwurf des Machtmissbrauches und der Willkür gegenüber sehen.

Nicht für jede denkbare pädagogische Grenzsituation können konkrete Handlungsschritte erarbeitet werden. In der Handreichung „Lehrerinnen und Lehrer in pädagogischen Grenzsituationen“ finden Sie aber Hinweise für viele verschiedene pädagogische Situationen die sehr belastend sein können.
Die Handreichung dient im Kern der Prävention von krisenhaften Situationen. Diese ist in dreifacher Hinsicht zu verstehen:

  1. primäre Prävention
    Sie will Bedingungen allgemeiner Art schaffen, die ein Auftreten von krisenhaften Situationen unwahrscheinlicher werden lassen, z.B. ein gutes Schulklima, ein Leitbild, eine gemeinsame pädagogische Grundhaltung, etc..
  2. sekundäre Prävention
    Sie gewährleistet eine sehr konkrete Vorbereitung von Lehrerinnen und Lehrern auf krisenhafte Situationen, etwa durch die Schaffung und Einübung von Ablaufplänen oder Handlungsmustern.
  3. tertiäre Prävention
    Sie dient der Vorbeugung einer Wiederholung stattgefundener Krisenfälle, etwa durch eine systematische Reflexion der Abläufe und eine Überprüfung der Tauglichkeit primärer und sekundärer Präventionsmaßnahmen sowie gegebenenfalls deren Veränderung.

 

Ziel der Handreichung, sowie dieser Internethilfe ist es, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern zu helfen, krisenhafte Situationen gesund zu bewältigen und an ihnen wachsen zu können. Sie sollen in die Lage versetzt werden, möglichst rasch die Normalität des schulischen Alltags wiederherzustellen.

 

Letzte Aktualisierung: 31.12.2016

 

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