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Förderplanung

Sternform mit Textinhalt Fragen aus der Praxis

 

Welche Diagnoseinstrumente gibt es?

Im Rahmen der Förderplanung werden standardisierte, normierte wie informelle Verfahren angewandt. Mit Hilfe informeller Verfahren können qualitative Aussagen über  das Verhalten des Kindes gegeben werden. Diese können allerdings nicht auf andere bezogen werden. Normierte Verfahren bieten den Vorteil, dass die Ergebnisse mit einer Norm verglichen werden können. Diagnostik muss das Umfeld beachten und auf Schwächen und Stärken des Kindes eingehen. Deshalb ist es wichtig, zum Kennenlernen des Schülers und seiner Verhaltensschwierigkeiten ein Anamnesegespräch mit den Eltern zu führen. Um die Problematik im Unterricht einzugrenzen und zu konkretisieren, ist es notwendig, kriteriengeleitete Beobachtungen anzustellen. Bei der Auswertung müssen die Informationen interpretiert und konkretisiert werden, um Fördermaßnahmen abzuleiten.

  1. Anamnesegespräche: 
    In der Phase der Vorinformation gewinnt der Untersucher/die Untersucherin einen ersten Eindruck über das Kind. Die Ermittlung der Lebensgeschichte des Kindes in Hinblick auf das problematische Verhalten kann durch das Lesen der Schülerakte und durch ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten erfolgen. Der Sinn ist, das Kind und seine Lebensumstände und Entwicklungsverläufe zu sehen und eventuelle Verhaltensweisen, die im schulischen Rahmen auffällig sind, zu verstehen.
  2. Die Beobachtung:
    Die Lehrkraft hat den Vorteil, den Schüler oder die Schülerin über einen längeren Zeitraum in Einzel-, Partner- und Gruppensituationen zu beobachten. Die Beobachtung ist die pädagogisch bedeutsamste Form der Leistungsfeststellung und sollte sich an den Kriterien: Kontinuität, Zielgerichtetheit und Sachlichkeit orientieren (vgl. Ledl S.13, Kinder beobachten und fördern). Um Beobachtungen zu systematisieren können folgende Fragen helfen:

    Zielfrage: Wozu beobachte ich den Schüler oder die Schülerin? (z.B. Zur Erstellung eines Förderplans)

    Methodenfrage: Wie beobachte ich den Schüler oder die Schülerin? (z.B. Video– oder Tonbandaufnahme, Beobachtungsverfahren wie Einschätzlisten oder Kategorieschemata)

    Inhaltsfrage: Was beobachte ich? (z.B. den Teilbereich Sozialverhalten) Fragen nach Wann? Bei wem? Wie oft? helfen die Beobachtungen grob zu strukturieren.

    Ökonomiefrage: Wie können Beobachtungsergebnisse schriftlich festgehalten werden? (Der Lehrer und die Lehrerin wird aus ökonomischen Gründen Beobachtungsbögen verwenden, die er/sie sich für seine Bedürfnisse individuell zurechtlegt, orientiert an standardisierten Beobachtungsbögen)

    Umsetzungsfrage: Wie können Beobachtungsergebnisse in Fördermaßnahmen umgesetzt werden? (realistisch umsetzbare Maßnahmen im Unterricht)

  3. Beobachtungsbögen:
    Es gibt evaluierte Beobachtungsbögen speziell für die Beobachtung des Unterstützungsbedarfs im Bereich emotionale und soziale Entwicklung.

    Der FEESS - Fragebogen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern  von Rauer und Schuck kann als Grundlage zur Förderplanung genutzt werden.

    Petermann und Petermann entwickelten ein ebenfalls hilfreiches Instrument zur Erfassung des Verhaltens von Schülerinnen und Schülern, die LSL—Lehrereinschätzliste für Sozial– und Lernverhalten. Diese und andere Verfahren zur systematischen Beobachtung können bei der Testzentrale erworben werden.

    Kostenfrei bietet sich der SDQ— Strengths & Difficulties Questionnaires von Goodman an, ein Beobachtungsbogen zu den Stärken und Schwächen der Schüler. http://www.sdqinfo.com.
    Hier können Fragebögen für Lehrer/Lehrerinnen, Eltern und für Schülerinnen und Schüler selbst heruntergeladen werden, so dass ein umfassendes Bild der Stärken und Schwächen des Schülers im schulischen und im außerschulischen Bereich deutlich wird.

    Es besteht also die Möglichkeit, ein Beobachtungsinstrument für die eigene Schule anzuschaffen oder in der Schulentwicklungsarbeit selbst eines zu erstellen. Es hilft, sich an den evaluierten Beobachtungsinstrumenten zu orientieren. Der Kronshagener Fragebogen bietet eine gute Orientierungshilfe für die Konzeption eines auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Fragebogens. (Schulische Erziehungshilfe Schleswig Holstein (2016): Kronshagener Systematischer Fragebogen Erziehungshilfe (KSFE) Systemischer Fragebogen. Verfügbar unter http://erziehungshilfe.com/ ( Diagnostik)) Wurde sich für ein gemeinsames Beobachtungsinstrument entschieden, sollte dieses von mindestens zwei Lehrkräften durchgeführt werden, damit die Beobachtung und Einschätzung möglichst objektiv verläuft. Hier ist ein Beispiel, wie der Bereich Kooperationsfähigkeit eines selbst erarbeiteten Beobachtungsbogens aussehen kann.

    1. Kooperation

    Stufe

    1
    nie

    2
    selten

    3
    manchmal

    4
    oft

    Akzeptiert zugeteilte Partner        
    Bringt eigene Vorschläge/Ideen ein        
    Lässt Vorschläge/Ideen anderer gelten        
    Schließt Kompromisse        
    Fokussiert gemeinsame Ziele        
    Nimmt Hilfe anderer an        
    Kann anderen Hilfen geben        
  4. Selbsteinschätzungsbögen
    Wie bereits erwähnt, bieten Goodman und auch Petermann & Petermann eine Einschätzliste für Schülerinnen und Schüler an. Es ist sinnvoll, Schüler und Schülerinnen in den Prozess der Förderplanung mit einzubeziehen, da dadurch die Selbstwirksamkeit des Kindes gestärkt wird. Folgendes Beispiel soll eine Möglichkeit des Förderplanungsprozesses darstellen:

    Beispiel: Ein Schüler kommt neu in die Klasse und fällt im Unterricht durch einige störende Verhaltensweisen auf. Zunächst wird dieses Verhalten von der Lehrperson beobachtet und aufgeschrieben. In einem Einzelgespräch, Beispielvertragman könnte es individuelles Entwicklungsgespräch nennen, wird mit dem Schüler gemeinsam erarbeitet, was er schon gut kann und was er noch nicht so gut kann. Dabei fließt die Verhaltensbeobachtung der Lehrperson in das Gespräch mit ein. Der Schüler schätzt sein Verhalten mit Hilfe eines Selbsteinschätzungsbogens ein und benennt so Schwierigkeiten und Ressourcen. Konkrete Situationen können dann als positive oder negative Beispiele angesprochen werden und zur Zielformulierung führen.
    In einem schriftlichen Vertrag zwischen Schüler und Lehrer wird mindestens eine Fähigkeit aufgelistet, die der Schüler schon gut kann und ca. zwei Förderbereiche festgehalten, die er noch üben muss. Die Inhalte des Vertrags sollten in Ich-Botschaften formuliert werden und können dann als Förderziele in den Förderplan integriert werden. Somit ergibt sich im Gespräch der aktuell am notwendigsten zu bearbeitende Förderbereich. Die Umsetzung der Ziele wird nach einem längeren Zeitraum überprüft, indem in dem folgenden individuellen Entwicklungsgespräch gemeinsam das Erreichen der Ziele besprochen wird. Wenn die Ziele schon gut eingeübt wurden, können neue Zielsetzungen erarbeitet werden. Wenn die Verhaltensweise noch nicht verbessert wurde, muss nach weiteren Unterstützungsmaßnahmen gesucht werden. Es ist sinnvoll, die Gespräche in einem regelmäßigen bedarfsbezogenen Abstand durchzuführen.

  5. Diagnoseverfahren
    Manche formelle Verfahren, wie Tests zur Feststellung der kognitiven Kompetenzen (Intelligenztests) oder psychischer Störungen sollten nur von Menschen mit speziell psychodiagnostischen Kenntnissen durchgeführt werden. Sollte eine Diagnostik in diesen Bereichen stattfinden, wenden Sie sich bitte je nach Bedarf an sonderpädagogische Lehrkräfte oder Psychologen.

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Was kann man fördern?

Grundsätzlich können Fähigkeiten, Fertigkeiten, Tätigkeiten und Verhaltensweisen eines Schülers/einer Schülerin im Bereich Motorik, Wahrnehmung, Sprache, Kognition und im sozial-emotionalen Bereich beobachtet werden. Die Beobachtung des sozial-emotionalen Verhaltens  ist immer gebunden an den jeweiligen Kontext, die dort geltenden Regeln, die Situation des Kindes und der Lerngruppe sowie an den Beaobachter selbst.

Übersicht der Förderbereiche

Je größer das Wissen über den Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung und je genauer die Teilbereiche beobachtet werden können, desto konkreter und effektiver kann die Förderplanung später umgesetzt werden. Der sozial-emotionale Bereich gliedert sich in drei Teilbereiche nach V. Ledl (Kinder beobachten und fördern, 2003). Diese Übersicht zeigt exemplarisch die Bandbreite der zu beobachtbaren Verhaltensweisen im Bereich emotionale und soziale Entwicklung.

Sozialverhalten Beobachtungskriterien:

Emotionale Stabilität
Beobachtungskriterien:

Lern- und Arbeitsverhalten
Beobachtungskriterien:

Kontaktverhalten:

- macht allgemein einen kontaktfreudigen Eindruck
- findet leicht Kontakt zu Lehrkräften
- findet leicht Kontakt zu Mitschülern
- hat viele Freunde in der Klasse
- kommt mit den meisten Mitschülern gut aus
- ist hilfsbereit zu Mitschülern

Psychische Verfassung:
- Kann Gefühle zeigen
- Welche Gefühle sind sichtbar (fröhlich, traurig, ruhig, aktiv, kontaktfreudig, verschlossen…) in welchen Situationen

Lernbereitschaft
- Lerninteresse,
- Mitarbeit,
- Wissensdrang
- Stolz auf Arbeitsergebnisse

Kooperationsverhalten:
- arbeitet gern mit einem Partner
- arbeitet gern in einer Kleingruppe
- kann in einer Gruppe seine eigenen Interessen und Wünsche zurückstecken
- hilft Mitschülern, wenn diese Schwierigkeiten haben
- nimmt auf Mitschüler Rücksicht

Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl:
- Macht einen selbstsicheren, unsicheren, angstfreien, angstbesetzten Eindruck
- Traut sich viel zu, ist bei Misserfolgen nicht gleich entmutigt oder traut sich eher wenig zu
- Hat keine Angst vor der Klasse zu stehen, wagt sich an neue Aufgaben heran, und ist von seinen Leistungen überzeugt oder hat Angst und zeigt Hemmungen neuem Gegenüber

Arbeitshaltung
- Arbeitsbeginn,
- Arbeitstempo,
- Arbeitseinstellung
- Ordnungssinn
- Energieaufwand

Konfliktverhalten:
- kann Konflikten aus dem Weg gehen
- kann Konflikte ohne Unterstützung lösen
- kann Konfliktlösungen benennen
- kann Konflikte wiedergutmachen

 

Selbstständigkeit
Abhängigkeit von Hilfe der Lehrkraft, geeigneter Hilfsmittel

Selbstkontrolle
- kann sein Verhalten im Unterricht kontrollieren
- kann warten, bis er an der Reihe ist
- kann mit Lob umgehen
- kann mit Kritik umgehen

 

 

Regelbewusstsein
- kann sich an Vereinbarungen halten
- kann sich an Spielregeln halten
- kann sich an Klassenregeln halten - kann sich bei Regelverletzungen entschuldigen

 

 

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Welches Format hat der Förderplan?

Es gibt keine Vorgaben für das Format eines Förderplans. Er kann im Fließtest geschrieben werden oder in Tabellenform und sollte für alle Beteiligten verfügbar und lesbar sein. Im Schulalltag hat sich eine Kombination aus beidem als pragmatisch und gut lesbar herausgestellt. Wichtig ist allerdings, dass die Informationen aus der Anamnese zu Beginn und dem Gespräch mit dem Kind sowie der beobachtete Entwicklungsstand des Kindes wertfrei dargestellt werden. Die zuletzt festgelegten Ziele und Maßnahmen werden beschrieben und auf ihre erfolgreiche Umsetzung überprüft. Ausgehend von dieser Evaluation werden dann in der Fortsetzung des Förderplans neue Ziele formuliert oder alte Zielformulierungen nochmal eingefügt und neue Maßnahmen erarbeitet, um das nächste Entwicklungsziel zu erreichen.

 

Beispiel einer Fördermaßnahme, Entwicklung und Entwicklungsplan

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Wann schreibe ich den Förderplan und wann fördere ich den Schüler?

Aus der Praxis hat sich ergeben, dass der Förderplan nach der Anamnese, der Beobachtung und dem individuellen Entwicklungsgespräch mit dem Schüler/der Schülerin geschrieben werden sollte. Eine regelmäßige Überprüfung muss stattfinden und in den neuen Förderplan integriert werden (s. Infobox). Die Förderung sollte während des Unterrichts im Klassenverband stattfinden. Allerdings ist es auch möglich Fördergruppen zu bilden und diese intensiv zu fördern. Die verschiedenen Fördermaßnahmen sollten in einem gemeinsam erarbeiteten Schulkonzept festgelegt werden, und obliegen der Entscheidung der Schulleitung.

§ 3 Unterricht und individuelle Förderung
AO-GS § 4 Individuelle Förderung

"(1) Schülerinnen und Schüler werden durch die Grundschule individuell gefördert. Dies gilt vor allem für Kinder, die besonderer Unterstützung bedürfen, um erfolgreich im Unterricht mitarbeiten zu können. Das schulische Förderkonzept kann Maßnahmen der äußeren und inneren Differenzierung sowie zusätzliche Förderangebote umfassen.

Sofern die Förderung in äußerer Differenzierung an die Stelle des nach der Stundentafel vorgesehenen Unterrichts tritt, erstreckt sie sich auf höchstens die Hälfte der wöchentlichen Unterrichtszeit und bedarf des vorherigen Einverständnisses der Eltern. Während der übrigen Zeit nimmt die Schülerin oder der Schüler am Unterricht ihrer oder seiner Klasse teil.“

AO-SF § 28 Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung

"(2) Soweit es die emotionale und soziale Entwicklung und die besondere Lebenssituation von Schülerinnen und Schülern erfordert, kann die Schule im Rahmen des Förderplans (§ 21 Absatz 7) für begrenzte Zeit von der Stundentafel abweichen."

Weitere Möglichkeiten Schüler im Unterricht zu fördern zeigt das Kapitel „Prävention“ auf.
Weitere Beispiele für Beobachtungsbögen und Förderplanformate im Netz unter:

http://www.zukunftsschulen-nrw.de/cms/front_content.php?idcat=134

https://www.bildung-mv.de/foerderplanung/

http://www.schulentwicklung.nrw.de/q/inklusive-schulische-bildung/lern-und-entwicklungsplanung/werkzeugkasten/index.html

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Letzte Aktualisierung: 31.12.2016

 

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