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Trinkwasserversorgung in Salzkotten gesichert

Detmold/Salzkotten (6. Februar 2019). Gleich zu Beginn des Jahres 2019 eine gute Nachricht für die Stadt Salzkotten: Die Stadt darf weiterhin Wasser aus den bestehenden vier Brunnen des Wasserwerks „Habringhauser Weg“ entnehmen. Ronny Abraham, Barbara Späth und Patrizia Fitzner von der Bezirksregierung Detmold haben dem Bürgermeister der Stadt Salzkotten, Ulrich Berger, am Mittwoch, 6. Februar 2019, den Bewilligungsbescheid für die Wasserentnahme übergeben. Damit ist die Versorgung der Stadt Salzkotten mit Trinkwasser für die kommenden 30 Jahre gesichert. 1,6 Millionen Kubikmeter dürfen pro Jahr entnommen werden. Die bislang zulässige Entnahmemenge belief sich ebenfalls auf diese Menge.

Die Stadt Salzkotten benötigte eine neue Genehmigung, weil die vorherige aus dem Jahr 1988 planmäßig endete. Bürgermeister Berger: „Der Termin kam für uns nicht überraschend. Es ist üblich, dass man sich ungefähr zwei bis drei Jahre vor dem Auslaufen der Genehmigung mit der Behörde über den Umfang der erforderlichen Gutachten und die Abwicklung verständigt und sich dann an die Arbeit macht, den Antrag in der erforderlichen Sorgfalt zusammenzustellen. All das benötigt Zeit, aber es gilt: Sorgfalt vor Schnelligkeit.“ Letztlich konnte das umfangreiche Verfahren in kurzer Zeit reibungslos abgeschlossen werden. Einwände gegen das Vorhaben wurden nicht erhoben.

„Nach deutschem Rechtsverständnis ist Wasser Allgemeingut. Wenn jemand mehr Wasser als für seinen eigenen Bedarf nutzt, benötigt er dafür eine Genehmigung“, erklärt Ronny Abraham, zuständiger Jurist bei der Bezirksregierung Detmold. Die Stadt Salzkotten musste also aktiv werden und die wasserrechtliche Bewilligung beantragen, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Abraham: „Durch die Erteilung der Wasserrechte wird dafür gesorgt, dass den Versorgungsunternehmen ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen.“

Bürgermeister Ulrich Berger: „Viele denken: Strom kommt aus der Steckdose, und Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Welchen Aufwand es erfordert, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wissen die meisten Bürger nicht.“ Um die für den Antrag notwendigen Nachweise erbringen zu können, seien umfangreiche wasserwirtschaftliche und landschaftsökologische Untersuchungen und Messungen erforderlich gewesen. Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Verfahren auf dem sogenannten Brunnen 3, der mitten im Vogelschutzgebiet „Hellwegbörde“ liegt. Die Hellwegbörde weist bundesweit bedeutende Brutbestände der Wiesenweihe, Rohrweihe und des Wachtelkönigs auf. Zudem hat das Vogelschutzgebiet eine hohe Bedeutung für weitere durchziehende und rastende Vogelarten. Für den Nachweis, dass mit der Grundwasserentnahme keine erheblichen Beeinträchtigungen auf die geschützten Arten einhergehen, musste die Stadt eine gesonderte „Natura 2000“-Vorprüfung beibringen. Natura 2000 ist ein Netz von Schutzgebieten, das seit 1992 nach der Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen wird. Erst nachdem die Prüfung belegte, dass keine artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände berührt sind, gab es grünes Licht für die Grundwasserentnahme an diesem Standort.

Grundwasser: Entnahme und Neubildung stehen im Gleichgewicht

Barbara Späth erklärt, dass aus einer Gewinnungsanlage langfristig nur die Menge entnommen werden darf, die sich in ihrem Einzugsgebiet wieder regenerieren kann. „Das Wasserversorgungsunternehmen muss belegen, dass die geplante Grundwasserentnahme im Gleichgewicht mit der sogenannten Grundwasserneubildung steht, dass also der Wasserhaushalt im Boden nicht über-beansprucht wird“, sagt Späth. Hier habe festgestellt werden können, dass die beantragte Wassermenge im Einklang mit dem verfügbaren Angebot steht. Damit sei auch den Zielsetzungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie entsprochen, die als eines von mehreren Bewirtschaftungszielen auch die Erhaltung eines guten mengenmäßigen und chemischen Zustandes des Grundwassers vorgibt.

Die Voraussetzung für die Erteilung eines Wasserrechts ist, dass die Bevölkerung eines Gebietes mit Wasser versorgt werden muss. Das Versorgungsunternehmen muss daher die demographische Entwicklung und den voraussichtlichen Bedarf für die kommenden 30 Jahre darlegen. Im Abstand von zehn Jahren ist jeweils ein aktueller Bedarfsplan vorzulegen.

Hintergrund

Die Stadt Salzkotten betreibt über vier bestehende Brunnen das Wasserwerk „Habringhauser Weg“. Bereits 1960 wurden die Brunnen 1 und 2 errichtet, 1984 folgte Brunnen 3. Für die Grundwasserentnahme aus diesen drei Brunnen in einer Menge von bis zu 1,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr wurde am 29. Dezember 1988 das bis zum 31. Dezember 2018 befristete Recht erteilt. 2007 wurde die Entnahmemenge auf 1,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr neu festgesetzt. Zur Deckung des künftigen Bedarfs sieht der von der Bewilligungsbehörde anerkannte Bedarfsnachweis weiterhin eine Entnahme von bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr vor.

Die Stadt Salzkotten versorgt in der Kernstadt und in den neun Ortschaften mithilfe von rund 237 Kilometer Versorgungsleitungen circa 25.000 Einwohner mit Wasser, was einem Anschlussgrad von fast 99 Prozent entspricht. Dafür benötigt sie eine jährliche Trinkwassermenge von rund 1,6 Millionen Kubikmeter. Der Bedarf wird einerseits durch den Bezug vom Gemeinschaftswasserwerk Boker Heide GmbH gedeckt, sowie andererseits durch die Eigenentnahme aus den vier Brunnen.

Durch die im Dezember 2018 in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage können der Chlorid- und Nitratstickstoffgehalt reduziert werden.

 

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