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Europa in der Berufsbildung

Europa in der Berufsbildung - Berufskollegs in NRW machen fit in Europa

 

Die internationale Verflechtung der Wirtschaft, der wachsende europäische Binnenmarkt sowie der rasante technologische Wandel führen zu neuen Qualifikationsanforderungen. Unternehmen benötigen mehr Fachkräfte mit „Europaqualifikationen“ wie Fremdsprachenkompetenzen, interkulturelle Kompetenzen und branchenbezogene Fachkenntnisse bezogen auf europäische Regionen.

Berufskollegs bereiten ihre Schülerinnen und Schüler hierauf vor, indem sie Europa als Lernort und Erfahrungsfeld nutzen. So werden Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen zunehmend Teil eines europäischen Bildungsraums, der zusammenwächst und Ländergrenzen überschreitet.

Europa und die nordrhein-westfälische Berufsbildung

 

Was so selbstverständlich klingt, hat eine lange Geschichte. Im Jahr 2000 formulierten die europäischen Staatsund Regierungschefs auf dem Sondergipfel in Lissabon das ambitionierte strategische Ziel, „die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen“.

Der Kopenhagen-Prozess zur verstärkten Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung von 2002 forderte für alle Bürgerinnen und Bürger Europas ungehinderte grenzüberschreitende Mobilität in der Aus- und Weiterbildung und beim Übergang in den Beruf. Gleichzeitig sollten Innovationen und Qualität der europäischen Berufsbildungssysteme gesichert werden. Was bundesländerübergreifend gilt, im Ausland und umgekehrt, bedarf jedoch einer einheitlichen und einvernehmlichen Festlegung.

Die Erklärung von Maastricht im Jahr 2004 legt eine erste Fassung eines Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) vor, der zukünftig auf acht Niveaustufen das Niveau von Qualifikationen und die zu ihnen hinführenden Bildungsgänge beschreiben soll. Verbunden wird der EQR mit dem europäischen Leistungspunktesystems in der Berufsbildung (ECVET), das Kompetenzen sichtbar macht, wo und wie sie entwickelt wurden. Das Helsinki-Kommuniqué von 2006 präzisiert diese Ziele für die Berufsausbildung dann so:

• Die Attraktivität soll gesteigert,

• die Qualität als nationale und europäische Standards gesichert,

• non- und informell erworbene Kompetenz zertifiziert und

• Berufsabschlüsse in den EU-Mitgliedstaaten sollen vergleichbar werden.

Ein konkretes Instrument zur Vergleichbarkeit ist der EUROPASS, der 2005 eingeführt wurde. Er macht berufliche Biografien und Qualifikationen transparent. Weil berufliche Bildungssysteme in Europa sehr unterschiedlich strukturiert sind, wird für Bewerbungen im Ausland das individuelle Kompetenzprofil der Bewerberinnen und Bewerber im EUROPASS verständlich, da allgemein nachvollziehbar, beschrieben.

Lebenslanges Lernen – Programm der EU

 

Die Europäische Union fördert mit dem Programm für lebenslanges Lernen von 2007 bis 2013 europäische Bildungskooperationen mit einem Gesamtbudget von fast sieben Milliarden Euro. Das Programm deckt mit seinen vier Einzelprogrammen

• COMENIUS (Schulbildung),

• ERASMUS (Hochschulbildung),

• LEONARDO DA VINCI (Berufliche Bildung) und

• GRUNDTVIG (Allgemeine Erwachsenenbildung)

alle Bildungsbereiche und Altersgruppen ab.

Berufskollegs können in zwei der vier Einzelprogrammen – COMENIUS und LEONARDO DA VINCI – Projektanträge stellen. Mit Hilfe von COMENIUS http://www.kmk-pad.org/aktuelles/meldungen.html verbessern Schulen die Qualität ihres Bildungsangebots und des Lernens im Unterricht durch internationale Zusammenarbeit. COMENIUS fördert den Fremdsprachenerwerb und die Entwicklung eines interkulturellen Bewusstseins. Berufskollegs finden auch Informationen zu COMENIUS beim „Internationalen Austausch für Nordrhein-Westfalen“ http://www.brd.nrw.de/schule/zweiter_bildungsweg_internationaler_austausch/Internationaler_Sch__leraustausch.html

Leonardo da Vinci: EU-Förderung für die Berufsbildung

 

Leonardo da Vinci ist ein europäisches Förderprogramm für Berufsschüler, Lehrkräfte und Ausbilder. Mit dem Programm Leonardo da Vinci können z. B. Auszubildende im Rahmen ihrer Berufsausbildung ins Ausland gehen. Ähnlich wie beim Programm Erasmus, das sich an Studenten richtet, finden Berufsschüler Unterstützung, wenn sie einen Teil ihrer Ausbildung in einem anderen EU-Land absolvieren möchten. Doch Leonardo bietet mehr. Neben Auszubildenden in der Erstausbildung können auch Fachleute der Berufsbildung sowie Organisationen, die in der beruflichen Bildung tätig sind, an Leonardo-Projekten teilnehmen. Einrichtungen der beruflichen Bildung wie berufsbildende Schulen oder außer- und überbetriebliche Bildungsstätten, Unternehmen sowie Sozialpartner und ihre Organisationen, Berufsverbände und Kammern können Anträge stellen.

LEONARDO DA VINCI unterstützt die europäische Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung: Es können beispielsweise Auslandsaufenthalte zum beruflichen Lernen gefördert und in europäischen Partnerschaften innovative Lehr- und Lernmaterialien sowie Zusatzqualifikationen entwickelt und erprobt werden. Die Europäische Union fördert von 2007 bis 2013 Projekte im Rahmen von LEONARDO DA VINCI mit einem Gesamtbudget von 1,7 Milliarden Euro.

Weitere Informationen zum Programm Leonardo da Vinci

 

• EU-Website zum Programm Lebenslanges Lernen (http://www.lebenslanges-lernen.eu)

• ADAM (Projekt- und Produkt-Portal für Leonardo da Vinci) (http://www.adam-europe.eu)

• Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) führt in Deutschland das europäische Berufsbildungsprogramm Leonardo da Vinci und das Programm Grundtvig für die allgemeine Erwachsenenbildung durch. (http://www.na-bibb.de)

• Europäische Kommission - Generaldirektion Bildung und Kultur

Direktion B - Lebenslanges lernen: Politische Bereiche und Programm

Berufliche Bildung "Leonardo da Vinci" (http://ec.europa.eu/dgs/education_culture/index_de.htm)

• Das Portal für Lernangebote in ganz Europa „PLOTEUS“ hilft Schülern und Studierenden, Jobsuchenden, Arbeitern- und Angestellten, Eltern, Berufsberatern und Lehrern bei der Suche nach Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Europa. (http://ec.europa.eu/ploteus/home.jsp?language=de)

• EUROPASS-Dokumente können zur europaweiten Bewerbung genutzt werden . In allen Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sind Nationale Europass Center (http://www.europass-info.de) bestimmt worden, die sämtliche Aktivitäten im Zusammenhang mit den fünf EUROPASS Transparenzdokumenten koordinieren.

Projektarbeit der Berufskollegs

 

Berufskollegs nutzen die europäischen Bildungsprogramme, um ihre Ausbildung international auszurichten und um partnerschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung zu intensivieren. Sie schlagen damit eine Brücke zwischen den europäischen bildungspolitischen Zielvorgaben und der berufsbildenden Praxis. Insbesondere durch Projekte zur Mobilität und zum Austausch wird die Berufsausbildung in Berufskollegs international ausgerichtet.

Auslandspraktika helfen bei einem länderübergreifenden Erwerb technischer und wirtschaftlicher Fachkompetenzen. Die Auszubildenden entwickeln ihre Persönlichkeit, interkulturelle Kompetenz und erweitern ihre Fremdsprachenkompetenzen.

Berufliche Zusatzqualifikationen ermöglichen ihnen nach ihrer Ausbildung im europäischen Ausland zu arbeiten und zu leben. So können sie später im europäischen Wirtschaftsraum besser Beschäftigung finden.

Viele Schulen vermitteln ihren Auszubildenden ein umfassendes Wissen über Europa. Im bilingualen Unterricht wird etwa zugleich das „Sprachlernen“ gefördert. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und den Netzwerken für Europaschulen Kriterien für ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, die dazu beitragen, einen einheitlichen Standard für „Europaschulen in Nordrhein-Westfalen“ (http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Schulformen/Europaschulen/index.html) zu gewährleisten.

Unterstützung der Berufskollegs durch die EU-Geschäftsstellen in NRW

 

In allen fünf Bezirksregierungen des Landes Nordrhein-Westfalen gibt es seit dem Beginn des Schuljahres 1999/2000 „EU-Geschäftsstellen“ im Bereich der beruflichen Bildung. Sie handeln im Auftrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, unterstützen die erfolgreiche Umsetzung von EU-Programmen für Berufskollegs und Schulträger und fördern die europäische Ausrichtung der Berufskollegs des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die EU-Geschäftsstellen beraten Berufskollegs, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler bei der Anbahnung, Gestaltung und Auswertung europäischer Projekte wie beispielsweise Schulpartnerschaften, Auslandspraktika für Auszubildende, Schüler- und Lehreraustausch.

Von den EU-Geschäftsstellen organisierte Fortbildungsveranstaltungen fördern den Erfahrungsaustausch zwischen den Berufskollegs. Viele Berufskollegs haben eine Lehrkraft, die im Kollegium Ansprechpartner für Kontakte mit dem europäischen Ausland ist. Sie ist Anlauf- und Sammelstelle für Informationen über Förderprogramme und gibt Hilfe bei der Abwicklung von Projekten. Diese Lehrkräfte unterstützen sich gegenseitig, tauschen sich aus und arbeiten gemeinsam an der Realisierung von europäischen Projekten. Sie wecken darüber hinaus die EU-Begeisterung bei den Schülerinnen und Schülern und fördern deren Aufgeschlossenheit für Auslandsmobilität.

Durch „Europaerfahrungen“ gewinnen Schülerinnen und Schüler Fremdsprachenkenntnisse, fachliche Qualifikationen und interkulturelle Kompetenzen. So vorbereitet sind sie „fit“ auf dem europäischen Arbeitsmarkt.

Konkrete Unterstützung der Arbeit vor Ort: Fit für Europa – mit der EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung  der Bezirksregierung Detmold (EU-GWB)

 

Im Rahmen der letzten Regionalkonferenzen im Regierungsbezirk Detmold wurde der Fokus auf das Zusammenwachsen des europäischen Wirtschaftsraumes und des Arbeitsmarktes gelegt und die regionalen Erfordernisse sowie das steigende Maß der Berücksichtigung der europäischen Dimension in der beruflichen Aus- und Weiterbildung herausgearbeitet.  Entscheidend für die weitere Stärkung des Bezirks in einem Europa der Regionen ist ein hoher Standard der allgemeinen und der beruflichen Bildung.

Die Berufskollegs im Regierungsbezirk Detmold stellen sich dieser Herausforderung durch

neue Bildungsgänge, zeitgemäße Lehrpläne und Unterrichtsmethoden. Die Vermittlung von Sprachkompetenzen, von länderübergreifenden technischen und wirtschaftlichen Fachkompetenzen, von Kenntnissen über neue Märkte, neue technologische Entwicklungen,

das Kennen lernen unterschiedlicher Systeme und Kulturen erhalten einen immer höheren Stellenwert.

Die EU-Geschäftsstellen des Landes haben den Auftrag, die Berufskollegs über Projektmöglichkeiten zu beraten und sie bei der Planung, Durchführung und Evaluation zu unterstützen. Darüber hinaus sollen die Geschäftsstellen einen bezirksweiten und auch landesweiten Transfer von Projektinhalten und -ergebnissen und die Einbindung in eine regionale Strukturförderung durch Kooperationsmaßnahmen mit den Partnern in der beruflichen Bildung sichern.

In neuen Projekten der Berufskollegs unterstützt die EU-Geschäftsstelle diese je nach Bedarf durch Beratung bis zum begleitenden Projektmanagement. Sie orientiert sich dabei u. a. an den von der Regionalkonferenz formulierten Zielen. Die Aufgaben und Angebote der Geschäftsstellen umfassen vor allem folgende Punkte:

• Information über Fördermöglichkeiten im Rahmen der europäischen Strukturfonds und der damit verbundenen operationellen Programme des Landes und der EU- Gemeinschaftsinitiativen. Das EU-Bildungsprogramm zum Lebenslanges Lernen  und die speziellen Programme im Bereich der beruflichen Bildung (z. B. LEONARDO) bilden einen besonderen Schwerpunkt der Geschäftsstellenarbeit.

• Consulting bei der Auswahl, Erstellung und Planung von Projektkonzeptionen.

• Erschließung neuer Fördermöglichkeiten auf nationaler und internationaler Ebene.

• Unterstützung bei der Realisierung und Evaluation innovativer Projektmaßnahmen durch begleitendes Projektmanagement.

• Kooperation mit der regionalen Wirtschaft und anderen an der beruflichen Bildung beteiligten Einrichtungen. Einer Verankerung schulischer Projekte in der Wirtschaft kommt dabei besondere Bedeutung zu.

• Förderung der Realisierung transnationaler Innovationsprojekte und der Durchführung von Auslandspraktika/Auslandsaufenthalten von Ausbildungsverantwortlichen/Lehrerinnen und Lehrern und Auszubildenden/Schülerinnen und Schülern in anderen EU-Staaten im Rahmen von EU Fördermaßnahmen.

• Vermittlung von möglichen EU-Projektpartnern.

• Dokumentation und Transfer durch geeignete Publikationen (Broschüren, Datensammlungen) und Informationsveranstaltungen in Absprache mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW).

 

 

weiterführende/zusätzliche Infos

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