Bibliothek
Die Bibliothek der Bezirksregierung Detmold
Die Bibliothek der Bezirksregierung Detmold gehört als Behördenbibliothek zum Bereich der wissenschaftlichen Spezialbibliotheken und hat als Sammelgebietsschwerpunkte Öffentliches Recht und Privates Recht. Sie dient primär der Deckung des Informationsbedarfs der Behörde, ist aber auch Besuchern zur Präsenzbenutzung zugänglich.
Zur weiteren Information über die Bibliothek ist eine ausführliche Abhandlung zur Entstehungsgeschichte und Bestandsentwicklung verfügbar (siehe unten). Zu den Aufgaben der Bibliothek gehören die Bearbeitung der täglich eingehenden Zeitschriften, Zeitungen, Verkündungsblätter etc., die Beschaffung, Inventarisierung, formale und sachliche Katalogisierung, technische Bearbeitung von Medien für die Bibliothek und die Handbibliotheken in den Dezernaten und die Erteilung von Auskünften anhand der Kataloge und sonstiger Nachweise. Für Beschäftigte der Bezirksregierung besteht die Möglichkeit zur Recherche in der juris-Datenbank Bundesrecht.
Die Bibliothek ist dem Bibliotheksverbund der Landesbehörden NRW angeschlossen. Dies ermöglicht eine Recherche in den Beständen aller Verbundmitglieder - Landesbibliotheken.
Im Online-Katalog ist der Bestand enthalten. Der Katalog ist online aufrufbar über den OPAC des Bibliotheksverbundes der Behördenbibliotheken NRW.
Öffnungszeiten: Mo - Fr 8.30 - 12.00 Uhr und 13.30 - 15.00 Uhr
Entstehungsgeschichte und Bestandsentwicklung
1669 wurde der Amtssitz des brandenburgischen Regierungs-Kollegiums von Petershagen nach Minden verlegt, wo der bischöfliche Hof zur Aufnahme dieser Behörde diente. Dort befanden sich auch die Restbestände der ehemals bischöflichen Bibliothek, denen mehrere Jahrzehnte keine Beachtung geschenkt wurde. Der Regierungsdirektor und Oberlanddrost Peter Christoph von der Osten veranlasste 1715 eine Neuaufstellung der Bücher. Mit dieser Anordnung wurde der Grundstock der Regierungsbibliothek gelegt. Die Schrift "De bibliothecis Mindensibus antiquis et novis occasione actus oratorii ..." des Gymnasial-Rektors Johann Ludolph Bünemann aus dem Jahr 1719 gab Auskunft über den Zustand der Bibliothek und die ungefähr 100 Titel des Bestandes.
Schon zu dieser Zeit wurde die Regierungsbibliothek durch ihren wertvollen Grundbestand über den Rahmen einer Verwaltungsbücherei herausgehoben. Im 18. Jahrhundert fanden kaum weitere Anschaffungen statt, denn um 1800 zählte die Bibliothek nur wenig über 100 Titel. Mit Beginn der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Erwerbungen sprunghaft an. Neben Literatur der Verwaltungswissenschaften wurden Werke zur Geschichtskunde und periodische Schriften angeschafft. 1842 gab die Regierung zu Minden einen gedruckten Katalog des Bibliotheksbestandes heraus. Über die Personen, die die Bibliothek zwischen 1739 (Versetzung des Gymnasial-Rektors und Regierungs-Bibliothekars Johann Ludolph Bünemann nach Hannover) und 1851 betreuten, sind keine Informationen vorhanden. Im Juni 1851 übernahm der Archivsecretair Heinrich Haarland die Bibliotheksverwaltung. In ihm hatte die Regierungsbibliothek einen gewissenhaften Förderer gefunden, so dass die Bestände stetig wuchsen.
In Folge der Auflösung der "Westfälischen Gesellschaft für Wissenschaft und Cultur in Minden" im Jahr 1848 wurden deren Bücherbestände an die Regierungsbibliothek überwiesen. Es handelte sich hierbei um ca. 1.000 teilweise besonders wertvolle Werke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Nach der ungefähr 20-jährigen Leitung durch Heinrich Haarland erfuhr die Bibliothek eine gewisse Vernachlässigung. Dennoch war die Regierungsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Fundgrube für die wissenschaftlich interessierten Leser Mindens. 1912 erschien ein gedruckter Bestandskatalog, in dem rund 5.000 Werke mit 12.000 Bänden verzeichnet waren. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts diente die Bibliothek als Arbeitsraum. Obwohl viele tausend Goldmark in den Büchern und Kartenwerken investiert waren, hatte man keine Bedenken, den Raum einem großen Personenkreis zugänglich zu machen. Die Folge waren größere Verluste an wertvollen Büchern.
Dieser Zustand änderte sich erst, als der Rechnungsrat Wenzel und der Kanzlei-Assistent Krah aus Liebhaberei wieder Ordnung in der Bibliothek schafften und den ersten Zettelkatalog erstellten. Anfang der 30er Jahre war die Bibliothek nachweislich die zweitgrößte Bücherei einer preußischen Regierung. Inzwischen wurde der Bibliotheksraum zu klein, so dass beträchtliche Teile älterer Literatur auf den Boden des Amtsgebäudes ausgelagert wurden. Im Zweiten Weltkrieg gelangten diese Bestände anlässlich der Entrümpelungsaktionen in die Kellergänge des Gebäudes. Die forstwirtschaftliche Literatur, die sich in den Amtsräumen des Forstamts befand, wurde im März 1945 durch einen Luftangriff vernichtet. Die Nachkriegsverluste waren jedoch bedeutend größer. Zuerst benutzten die Amerikaner die Bücher als Kugelfang vor den Fenstern.
Nach Wiederherstellung einer provisorischen Ordnung entnahmen englische Besatzungseinheiten große Mengen Bücher. Der Bibliotheksraum war jedem zugänglich, so dass die unkontrollierte Entnahme von Büchern üblich wurde. Die in den Kellergängen gestapelten Bestände wurden als Altpapier benutzt. Der Zettelkatalog ist von den Ereignissen des Krieges nicht verschont geblieben, so dass die genauen Verluste nicht mehr festgestellt werden konnten. Seit 1946/47 verwaltete der Regierungs-Angestellte Fritz Verdenhalven anfangs neben seiner Dolmetscher- und Übersetzertätigkeit die Bibliothek. Nachdem am 21. Januar 1947 das bis dahin selbstständige Land Lippe in das Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert und die Stadt Detmold als Sitz der vereinigten Verwaltungen des bisherigen Regierungsbezirks Minden und des bisherigen Landes Lippe bestimmt worden waren, wurde am 1. April 1947 der Regierungsbezirk Minden-Lippe gebildet, dessen Umbenennung in Regierungsbezirk Detmold am 02. Juni 1947 erfolgte.
Im Zuge der Übersiedlung nach Detmold wurde entschieden, die Bestände der Regierungsbibliothek der Lippischen Landesbibliothek als Leihgabe zu überweisen. Nur die für den Dienstbetrieb benötigten Werke sollten im Detmolder Regierungsgebäude aufgestellt werden. In den Monaten Juli bis Oktober 1948 erfolgte der Bibliotheksumzug nach Detmold. Mitte Januar 1949 waren die Regale in den Räumen der Lippischen Landesbibliothek aufgebaut, die Aufstellung der Bestände dauerte bis Ende Mai 1949. Um den Bestand endgültig festzustellen und die Bibliothek wieder nutzbar zu machen, wurde im Juni 1949 mit einer vollständigen Neuaufnahme begonnen, wobei ein alphabetischer und ein systematischer Zettelkatalog angelegt wurden. Am 25. September 1950 wurde ein förmlicher Leihvertrag zwischen dem Regierungspräsidenten in Detmold und dem Lippischen Landesverband in Detmold abgeschlossen.
Nach Beendigung der Neukatalogisierung im April 1951 und der endgültigen Auszählung vom Mai 1951 ergab sich ein Bestand von 8.683 Werken mit 19.339 Bänden. Mit Vertrag vom 13. Dezember 1962, der am 15. Dezember 1962 in Kraft trat, wurde be-schlossen, dass das Land Nordrhein-Westfalen dem Landesverband Lippe zu Gunsten der Lippischen Landesbibliothek unentgeltlich das Eigentum an den in der Landesbibliothek noch vorhandenen Beständen der Bibliothek der früheren Regierung in Minden überträgt. Bei dem Mindener Depositum in der Lippischen Landesbibliothek handelte es sich nach der Rückgabe von Büchern an die Regierungsbibliothek Detmold (ca. 5.000 Bände) und das Staatsarchiv Detmold (ca. 1.000 Bände) noch um 13.158 Titel. Der Bibliotheksbestand ist in den folgenden Jahrzehnten stetig gewachsen, so dass die Bibliothek der Bezirksregierung Detmold zu Beginn des 21. Jahrhunderts über mehr als 56.000 Medieneinheiten verfügt.
Literatur:
[1] Schroeder: Chronik des Bistums und der Stadt Minden / von Dr. Schroeder, Oberlehrer am Gymnasium und Realgymnasium. - Minden i. W. : Leonardy, 1886
[2] Verdenhalven, Fritz: Die Bibliothek der ehemaligen Regierung Minden In: Mindener Heimatblätter 23 (1951), Nr. 11/12, S. 133 ff
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